2026-01-25
Es ist so ein Ding mit den Regeln. Sie sind Fluch und Segen. Während sie die einen nerven und blockieren schaffen sie für die anderen Klarheit und Verlässlichkeit.
Und zweiteres ist nicht zu vernachlässigen. Wer sich einmal überlegt, wie Ökonomien und Gesellschaften funktionieren, kommt schnell darauf, dass die Regel der einzige Mechanismus ist, um eine wirkliche Verbesserung der Lebensumstände zu erreichen. Denn die Regel kanalisiert Energie aus dem Wettbewerb in den Konsens und damit kann sie besser genutzt werden für alle Arten von Themen, die noch anstehen. Im Wettbewerb geht sehr viel Energie da hin, andere zu besiegen, also zu bekämpfen, Kräfte richten sich gegeneinander. Das Gefangenendilemma der Spieltheorie beschreibt vorzüglich, was geschieht, wenn zwar Vernunft besteht, aber keine Verlässlichkeit. Alle verlieren.
Die Kehrseite der Medaille ist die Überregulierung der Jetztzeit. Ein ständig wachsender Berg von Regeln, jede einzelne begründet und gut gemeint, steht mehr und mehr sich selbst im Widerspruch und führt in eine lähmende Handlungsunfähigkeit.
Die Frage ist, was man daraus lernt. Die Antwort ist einfach: Jedes Regelwerk muss beherrschbar bleiben. Das gilt für einen regelschaffenden Apparat wie Gesetzgebung und Verwaltung genauso wie für die Welt des Digitalen mit ihren unendlichen Applikationen, Versionen und Formaten.
Es gibt derzeit eine verführerische Kraft, die scheinbar wie von Zauberhand den Überblick in diesem Durcheinander beherrscht. Die künstliche Intelligenz. Sie hilft tatsächlich mir ihrer Rechenkapazität und ihrer Findefähigkeit Licht ins Dickicht zu bringen, doch die wiederum nächste Kehrseite der Medaille ist viel grausamer. Die vermeintliche Leichtigkeit mit KI führt immer tiefer in den Strudel der Undurchschaubarkeit. Es macht sich bereits eine Leichtsinnigkeit breit, die Ordnung der Regeln selbst der KI zu überlassen. Damit ist die Beherrschbarkeit endgültig verloren.
Regeln machen Sinn. Das ist die Erkenntnis daraus. Des weiteren: Regeln müssen beherrschbar bleiben und das bedeutet zweierlei: Regeln erstellen ist anstrengend, weil man das immer prüfen muss, und, das ist das Schmerzhaftere, wir sollten an vielen Stellen auf Regeln verzichten und sie durch Verantwortung ersetzen. Das wird echt anstrengend, denn in einer regulierten Welt lebt es sich, bei allem Wehklagen, viel leichter als in einer unregulierten wenn man nicht einmal die Schuld für das eigene Scheitern auf die Regeln schieben kann.
Admin - 22:08:16
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